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Großeltern

5. Großeltern

„Ich bin es gewöhnt, dass es bei uns laut und lebendig zugeht. Und das hält mich jetzt jung.“ 18

5.1 Entwicklung

Die Rolle der Großeltern hat sich gewandelt. Sie übernehmen nicht mehr selbstverständlich die Rolle der Babysitter. Sie sind aktiver, selbstbewusster und unabhängiger von der Nähe zu ihren Kindern geworden. Das Verhältnis zwischen den Generationen muss individuell ausgehandelt werden.

Dank gestiegener Lebenserwartung kann das Großeltern-Dasein heute rund ein Drittel der gesamten Lebensphase einnehmen. Sieben von acht Müttern über 60 Jahre sind Großmütter. Es gibt immer mehr Urgroßmütter.

Ob die Beziehungen notwendigerweise auf der Grundlage von Verwandtschaftsbeziehungen stattfinden oder ob nicht mit der Entstehung „ausgeweiteter Handlungsrahmen“ die Exklusivität familialer Bindungen eine Relativierung erfährt, ist fraglich angesichts der Rolle, die Großeltern in der Gegenwart spielen. Denn die Lage ist nicht mehr so übersichtlich wie zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Es gibt vielfältige Angebote, die ältere Menschen (und eben nicht mehr nur die eigenen Großeltern) Kindern und Jugendlichen heute offerieren. Ihre Rolle und Bedeutung in einer Gesellschaft, in der Jugend in eine Minderheit gerät, ist nicht mehr per se durch familiäre Beziehungen definiert. Davon zeugt nicht allein die Fülle der Projekte, die den Angeboten der leiblichen Großeltern Konkurrenz macht.In einer Zeit, da Kinder, Eltern und Großeltern gewöhnlich voneinander entfernt leben und die „multilokale Mehrgenerationenfamilie“ das Bild bestimmt, sind außerfamilale Hilfsdienste mehr und mehr eine Notwendigkeit. Erfreulicherweise entsprechen sie auch einem gesellschaftlichen Trend, der in der Neudefinition und Aufwertung des freiwilligen Engagements seine Wurzeln hat.

5.2 Großelternrolle

Omas und Opas sind wichtig in unserem Leben, denn Großeltern haben viel zu bieten: Erfahrung, Verständnis, Zeit und Vermittlung zwischen den Generationen, wenn es z.B. zwischen Kindern und Eltern Probleme gibt. Kinder gehen als junge Erwachsene aus dem Haus, Enkel verlieren meist schon mit fünf oder sechs Jahren das ungetrübte Interesse an ihren Großeltern. Das, was Großeltern ihnen in jungen Jahren geben können – Fürsorge, Geduld, Erfahrung und auch den indirekten Einfluss über die Eltern – haben sie erhalten. Die Kinder hatten Gelegenheit, die von den Eltern erworbenen Regeln und Normen zu überprüfen bzw. einzuüben und dabei zugleich andere Sichtweisen und Beziehungsformen kennen zu lernen. Großeltern haben damit eine ihrer möglichen Aufgaben, die sogenannte Brückenfunktion, erfüllt. Jetzt können sie, wenn sie wollen, andere Aufgaben übernehmen.

Sie haben nun die Chance, eine andere Rolle für ihre Enkel zu übernehmen: sie können Vertraute und Ruhepol werden. Und wenn die Enkel herangewachsen sind, werden sie mit ihren Erfahrungen vielfach als kompetente Gesprächspartner über die Vergangenheit geschätzt. Großeltern können nicht nur Berater und Vergnügungspartner sein, sie sind häufig wichtige Bezugspersonen. Das kann gerade dann wichtig werden, wenn Ehen zerbrechen. Seit 1970 hat sich die Zahl der Alleinerziehenden mehr als verdoppelt: Neben 18 Millionen Kinder, die mit beiden Elternteilen zusammenleben, gibt es rund 3,8 Millionen Kinder, die bei einem alleinerziehenden Elternteil leben. Die meisten von ihnen haben eine Trennung miterlebt. Für die Kinder bedeutet das den Zusammenbruch der bisherigen Lebenswelt und oft sind nur die Großeltern der vertraute und verlässliche Part in ihrer neuen Welt.19

Die veränderten Lebensgewohnheiten führten auch dazu, dass heute viele Mütter ganz- oder halbtags erwerbstätig sind. Rund die Hälfte dieser Kinder werden regelmäßig von den Großeltern betreut, manche davon sogar bis zu 20 Stunden pro Woche. Diese Betreuung der Kinder, die nicht die eigenen sind und schon deshalb sehr viel mehr Aufmerksamkeit und Verantwortungsgefühl erfordern, kostet Kraft.

Die Großeltern-Enkel-Beziehung ist von besonderer Bedeutung. Als wesentliche Bedeutung, die Enkel und Kinder für ältere Menschen haben, werden das Weiterleben in den Kindern, Kinder als Lebenssinn und Kinder als Sicherheit für das Alter genannt. Umgekehrt sind für Kinder die Großeltern mit fortschreitendem Alter als Vermittler traditioneller Fertigkeiten und einer umfassenden Lebenserfahrung wichtige Bezugspersonen, oft auch wichtige Vertrauenspersonen in persönlichen Angelegenheiten. Großeltern sind von der unmittelbaren Erziehungsverantwortung befreit und können so durch die Großelternrolle großzügiger und wohlwollender auf die Bedürfnisse eingehen als die Eltern.20

Inzwischen gibt es in einigen Städten in Deutschland Großelterndienste, die vitale Ältere zwischen 50 und 70 als Wunschoma/-opa an Interessierte zur Betreuung der Kinder vermitteln. Ein- bis zweimal wöchentlich betreuen Ehrenamtliche ihre Wunschenkel, um Müttern und Vätern Freiräume für Ausbildung und Beruf oder zum Entspannen  zu ermöglichen. Vergütet wird in Form einer kleinen Aufwandsentschädigung oder aber einer kleinen Aufmerksamkeit. Doch oft verselbständigt sich das „Projekt“ und der Großelterndienst wird nicht mehr gebraucht, weil sich die Beziehung intensiviert hat.

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18 Wahlgroßmutter des Großelterndienstes Berlin
19 Statistisches Bundesamt
20 Enquete Kommission Demographischer Wandel

 

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